Wie man Reisekrankheit vermeidet und behandelt
Reisekrankheit – ein lästiges Übel, das vielen den Spaß am Unterwegssein verleidet. Aber die gute Nachricht ist: Du musst dich damit nicht abfinden! Es gibt bewährte Methoden, um d…

Reisekrankheit – ein lästiges Übel, das vielen den Spaß am Unterwegssein verleidet. Aber die gute Nachricht ist: Du musst dich damit nicht abfinden! Es gibt bewährte Methoden, um die Reisekrankheit sowohl zu vermeiden als auch sie effektiv zu behandeln. In diesem Beitrag tauchen wir tief in die Welt der Reisekrankheit ein, um dir praktische Tipps an die Hand zu geben, damit deine nächste Reise wieder ein Vergnügen wird.
Was genau ist Reisekrankheit und warum bekommen wir sie? Im Grunde ist es eine Art Desorientierung des Gehirns. Deine Augen sagen deinem Gehirn, dass du stillsitzt (zum Beispiel im Auto, auf einem Schiff oder im Flugzeug, wo die Umgebung relativ ruhig erscheint), während dein Gleichgewichtssystem im Innenohr eine andere Botschaft sendet – nämlich, dass du dich bewegst. Diese widersprüchlichen Signale überfordern dein Gehirn und können zu Übelkeit, Schwindel, Schweißausbrüchen und Erbrechen führen. Es ist keine Krankheit im herkömmlichen Sinne, sondern eine Reaktion deines Körpers auf diesen sensorischen Konflikt.
Um Reisekrankheit effektiv zu begegnen, ist es hilfreich, zu verstehen, warum sie überhaupt entsteht. Die Ursache liegt primär im Zusammenspiel unserer Sinnesorgane und dem Gehirn.
Das sensorische Missverständnis
Innere Ohren und das Gleichgewicht
Unser Innenohr, genauer gesagt das Vestibularsystem, ist für unser Gleichgewicht verantwortlich. Es registriert Beschleunigung und Richtungsänderungen. Wenn du zum Beispiel in einem Auto fährst, spürt dein Innenohr die Bewegung: das Beschleunigen, Bremsen und Kurvenfahren.
Augen und die visuelle Wahrnehmung
Gleichzeitig verarbeiten deine Augen die visuelle Information. In einem Auto siehst du möglicherweise die Innenseite des Fahrzeugs, die relativ ruhig erscheint. Auf einem Schiff magst du den Horizont sehen, der sich ständig bewegt, oder aber du blickst auf das Innere der Kabine.
Die Diskrepanz im Gehirn
Wenn nun die Informationen vom Innenohr (Bewegung) und von den Augen (Ruhe oder eine andere Art von Bewegung) nicht übereinstimmen, sendet das Gehirn eine Art Fehlermeldung. Dieses Signal wird oft mit Übelkeit und Erbrechen quittiert, eine Reaktion, die evolutionär vermutlich dazu diente, potenziell giftige Substanzen aus dem Körper zu befördern (daher die Verbindung zu Vergiftungen).
Individuelle Unterschiede
Es ist wichtig zu wissen, dass die Anfälligkeit für Reisekrankheit stark variiert. Manche Menschen sind extrem empfindlich, während andere selbst bei heftiger Seegang kaum Probleme haben. Alter, Müdigkeit, Angst, hormonelle Schwankungen und bestimmte Vorerkrankungen können ebenfalls eine Rolle spielen. Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren sind oft besonders anfällig.
Vorbeugende Maßnahmen für eine entspannte Reise
Die beste Strategie bei Reisekrankheit ist tatsächlich, ihr von vornherein vorzubeugen. Mit ein paar einfachen, aber effektiven Tricks kannst du die Wahrscheinlichkeit, dass sie auftritt, erheblich reduzieren.
Die richtige Sitz- und Blickposition wählen
Im Auto: Vordersitze und die Straße im Blick
Wenn du im Auto reist, versuche, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen oder, wenn möglich, selbst zu fahren. Der Fahrer ist in der Regel weniger anfällig, da er die Straße und die Bewegungen des Fahrzeugs aktiv antizipiert. Richte deinen Blick auf die Straße, idealerweise in die Ferne. Vermeide es, im Auto zu lesen, aufs Smartphone zu schauen oder dich auf Dinge zu konzentrieren, die sich nahe bei dir befinden und im Fahrzeuginnenraum liegen.
Auf Schiffen: Deck und Horizont
An Bord eines Schiffes ist die Wahl des Ortes entscheidend. Suche dir einen Platz auf dem Deck, idealerweise in der Mitte des Schiffes, wo die Bewegungen am geringsten sind. Richte deinen Blick auf den Horizont. Dieser dient deinem Gehirn als stabiler Bezugspunkt und hilft, die widersprüchlichen Sinneseindrücke zu überbrücken. Vermeide es, in engen Kabinen zu bleiben, besonders wenn sie weit unter Deck liegen.
Im Flugzeug: Über dem Flügel
Wenn du Flugangst hast oder zu Reisekrankheit neigst, wähle beim Fliegen einen Platz über den Tragflächen. Dort sind die Bewegungen des Flugzeugs in der Regel am geringsten spürbar. Ein Platz am Gang kann ebenfalls vorteilhaft sein, da du dich so besser bewegen kannst, falls dir doch übel wird.
Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
Vor der Reise leicht essen
Vermeide schwere, fettige oder stark gewürzte Mahlzeiten vor und während der Reise. Ein leerer Magen kann die Übelkeit zwar verschlimmern, aber ein zu voller Magen ebenfalls. Setze auf leichte, kohlenhydratreiche Kost wie Cracker, Zwieback, Bananen oder Reis.
Ausreichend trinken (aber das Richtige)
Stelle sicher, dass du ausreichend trinkst, um Dehydrierung zu vermeiden. Wasser ist ideal. Vermeide zuckerhaltige Getränke, Alkohol und koffeinhaltige Getränke, da diese die Übelkeit verschlimmern können. Ingwertee oder Wasser mit einem Hauch Ingwer kann beruhigend wirken.
Frische Luft nutzen
Öffne Fenster, wenn möglich, oder suche die frische Luft. Frischluft kann Wunder wirken, um das Gefühl der Übelkeit zu lindern. Im Auto die Fenster einen Spalt öffnen oder auf dem Schiff nach draußen gehen kann schon viel bewirken. Vermeide stickige, schlecht belüftete Räume.
Ablenkung als Strategie
Musik und Hörspiele
Manche Menschen finden Linderung durch Ablenkung. Das Hören von Musik oder einem interessanten Hörspiel kann deine Aufmerksamkeit von den Bewegungssymptomen ablenken. Wähle etwas, das dich nicht übermäßig konzentriert, aber dennoch fesselt.
Unterhaltungen und Spiele
Gute Gespräche können ebenfalls ablenken. Wenn du mit jemandem unterwegs bist, verbringe Zeit damit, dich zu unterhalten oder einfache Spiele zu spielen, die keine starke visuelle Konzentration erfordern.
Natürliche und medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
Wenn die vorbeugenden Maßnahmen nicht ausreichen oder du dich allgemein als sehr anfällig für Reisekrankheit einschätzt, gibt es eine Reihe von Optionen zur Behandlung und Linderung.
Naturheilkundliche Mittel
Ingwer in allen Varianten
Ingwer ist ein bewährtes Hausmittel gegen Übelkeit. Seine entzündungshemmenden und verdauungsfördernden Eigenschaften können helfen, die Symptome der Reisekrankheit zu lindern.
- Frischer Ingwer: Kauche kleine Stücke frischen Ingwers.
- Ingwertee: Bereite dir einen Tee aus frischem Ingwer zu.
- Ingwerbonbons/Kapseln: Viele Drogerien und Apotheken bieten spezielle Ingwerbonbons oder Kapseln an, die eine konzentrierte Dosis liefern. Achte auf Produkte mit einem hohen Ingwergehalt.
Akupressur-Armbänder
Diese Bänder üben Druck auf einen bestimmten Punkt am Handgelenk aus (den sogenannten P6-Punkt), der mit der Regulierung von Übelkeit in Verbindung gebracht wird. Sie sind nicht-invasiv und haben keine Nebenwirkungen. Die Wirksamkeit ist individuell unterschiedlich, aber für viele Betroffene sind sie eine wertvolle Hilfe. Stelle sicher, dass du die Bänder korrekt anlegst, um den optimalen Druck zu erzielen.
Medikamentöse Optionen aus der Apotheke
Für stärkere Beschwerden gibt es rezeptfreie und verschreibungspflichtige Medikamente. Es ist ratsam, sich hierzu vorab in der Apotheke oder beim Arzt beraten zu lassen, um das passende Präparat zu finden.
Antihistaminika
Diese Medikamente werden oft zur Behandlung von Allergien eingesetzt, haben aber auch eine stark beruhigende und antiemetische (gegen Übelkeit wirkende) Wirkung. Sie sind oft die erste Wahl bei der Behandlung von Reisekrankheit.
- Wichtiger Hinweis: Viele Antihistaminika machen müde. Plane dies bei der Einnahme ein, besonders wenn du noch selbst fahren musst oder aktiv sein möchtest. Sie sollten idealerweise schon vor Reiseantritt eingenommen werden, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Frag deinen Apotheker nach Präparaten, die weniger sedierend wirken.
Scopolamin-Pflaster
Diese Pflaster werden hinter das Ohr geklebt und geben kontinuierlich einen Wirkstoff ab, der die Nervensignale blockiert, die Übelkeit verursachen. Sie sind besonders wirksam bei längeren Reisen, erfordern aber eine ärztliche Verschreibung.
- Anwendung: Die Pflaster sollten mehrere Stunden vor der Reise angebracht werden und können mehrere Tage wirken. Achte auf mögliche Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder Sehstörungen und besprich dies mit deinem Arzt.
Spezielle Reiseformen und ihre Tücken
Ob Auto, Schiff oder Flugzeug – jede Reiseform birgt eigene Herausforderungen und erfordert spezifische Anpassungen im Umgang mit Reisekrankheit.
Autofahrten: Der Klassiker
Die Reisekrankheit im Auto ist weit verbreitet und betrifft oft besonders die Rücksitzpassagiere.
- Sitzposition: Wie bereits erwähnt, sind die Vordersitze die beste Wahl.
- Luftzug: Das Öffnen der Fenster für frische Luft schafft oft Linderung.
- Lesen und Medienkonsum: Dies sind die Hauptauslöser für die Reisekrankheit im Auto. Vermeide es unbedingt.
- Streckenführung: Wenn du die Möglichkeit hast, die Route zu wählen, bevorzuge kurvenarme Strecken.
Seereisen: Auf hoher See
Die oft unterschätzte Reisekrankheit auf See kann für manche eine echte Qual sein.
- Mittelpunkt des Schiffes: Suche dir Aufenthaltsorte mittig und auf mittlerer Höhe.
- Horizontblick: Der Blick auf den Horizont ist essenziell.
- Kabinenwahl: Wenn du eine Kabine wählen kannst, nimm eine möglichst weit vorne und nicht weit unten.
- Kabinenstabilität: Bei starkem Seegang kann es helfen, sich an festen Möbeln festzuhalten, um das Gefühl der Instabilität zu reduzieren.
Flugreisen: In den Wolken
Obwohl Flugzeuge stabil sind, können Turbulenzen oder der generelle Auf- und Abbewegungssinn bei empfindlichen Personen Probleme verursachen.
- Sitzwahl: Über den Tragflächen ist die Stabilität am größten.
- Fensterplatz vs. Gangplatz: Ein Fensterplatz mit Blick auf den Horizont kann helfen, ein Gangplatz bietet aber mehr Bewegungsfreiheit.
- Luftzirkulation: Stelle sicher, dass deine persönliche Lüftung gut funktioniert und die Luft frisch ist.
- Bildschirme: Vermeide es, über längere Zeit auf kleine Bildschirme zu schauen.
Bahnreisen: Schienen-Fieber
Auch Zugreisen können Reisekrankheit auslösen, besonders bei schnellen Zügen mit vielen Kurven und Beschleunigungsvorgängen.
- Fahrtrichtung: Wenn möglich, sitze in Fahrtrichtung.
- Blick aus dem Fenster: Richte deinen Blick auf die vorbeiziehende Landschaft, aber versuche, nicht auf die sich schnell bewegenden Objekte zu fokussieren.
- Sitzplatz: Ein Platz in Fahrtrichtung, der nicht zu weit vorne oder hinten ist, kann vorteilhaft sein.
Wann du ärztliche Hilfe suchen solltest
In den meisten Fällen lassen sich Reisekrankheitssymptome gut in den Griff bekommen. Es gibt jedoch Situationen, in denen du einen Arzt aufsuchen solltest.
Anhaltende und starke Symptome
Wenn deine Übelkeit und dein Schwindel extrem stark sind, über die gesamte Reise anhalten und sich auch nach Beendigung der Fahrt nicht schnell bessern, solltest du ärztlichen Rat einholen. Es könnte sich um eine stärkere Form der Reisekrankheit handeln oder um ein anderes gesundheitliches Problem.
Verdacht auf andere Erkrankungen
Reisekrankheit ist eine Reaktion auf Bewegung. Wenn die Symptome auch in Ruhe auftreten oder mit anderen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Fieber oder starken Bauchschmerzen einhergehen, sind dies Alarmzeichen, die von einem Arzt abgeklärt werden müssen.
Chronische oder wiederkehrende Beschwerden
Wenn du sehr häufig unter Reisekrankheit leidest und die frei verkäuflichen Mittel nicht mehr ausreichen, kann dein Arzt dir stärkere Medikamente verschreiben oder andere Behandlungsstrategien vorschlagen.
Spezielle Patientengruppen
Besonders Kinder, Schwangere oder Menschen mit Vorerkrankungen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen) sollten vor der Einnahme von Medikamenten gegen Reisekrankheit mit ihrem Arzt sprechen. Es gibt spezielle Präparate, die für diese Gruppen besser geeignet sind.
Psychische Faktoren
Manchmal kann auch die Angst vor der Reisekrankheit selbst dazu beitragen, dass sie auftritt. Wenn du feststellst, dass deine Angst dich stark beeinträchtigt, kann ein Gespräch mit einem Arzt oder Therapeuten hilfreich sein, um Strategien zur Angstbewältigung zu entwickeln.
Die Reisekrankheit muss dir nicht länger den Spaß am Reisen verderben. Mit dem richtigen Wissen, sinnvollen Vorbeugemaßnahmen und gezielten Behandlungsansätzen kannst du deine Reisen wieder in vollen Zügen genießen. Probiere aus, welche Methoden für dich am besten funktionieren, und hab eine gute Reise!
FAQs
Was ist Reisekrankheit?
Reisekrankheit, auch bekannt als Kinetose, ist eine Form von Übelkeit, Schwindel und Erbrechen, die durch Bewegung verursacht wird, insbesondere während des Reisens.
Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um Reisekrankheit zu vermeiden?
Um Reisekrankheit zu vermeiden, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, wie zum Beispiel das Sitzen in Fahrtrichtung, das Vermeiden von starken Gerüchen, das regelmäßige Lüften des Fahrzeugs und das Fixieren des Blicks auf einen festen Punkt in der Ferne.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Reisekrankheit?
Zur Behandlung von Reisekrankheit können Medikamente wie Antihistaminika oder Scopolamin eingesetzt werden. Darüber hinaus können auch alternative Methoden wie Akupressur oder das Tragen von Akupressurarmbändern hilfreich sein.
Wer ist anfällig für Reisekrankheit?
Menschen jeden Alters können anfällig für Reisekrankheit sein, aber Kinder und schwangere Frauen sind besonders anfällig. Darüber hinaus können auch Personen mit bestimmten Erkrankungen wie Migräne oder Innenohrerkrankungen anfälliger für Reisekrankheit sein.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn man an Reisekrankheit leidet?
Wenn die Symptome der Reisekrankheit schwerwiegend sind oder länger anhalten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Darüber hinaus ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn die Reisekrankheit die Lebensqualität beeinträchtigt oder mit anderen gesundheitlichen Problemen einhergeht.


